Archiv 2005
Das Projekt Komm "Hilfen für gefährdete Kinder und Jugendliche" nimmt auf und begleitet Kinder und Jugendliche mit traumatischen Erlebnissen, die als "unbeschulbar" und nicht "sozialisierbar" gelten und die aufgrund ihrer Probleme und langen Misserfolgsgeschichte stigmatisiert sind. Dies sind insbesondere sozial vernachlässigte Kinder aus Notunterkünften und von problematischen Familien, unbegleitete Flüchtlingskinder und Jugendliche, sowie Kinder und Jugendliche aus Notunterkünften.
Das Projekt "Komm" Hilfe für gefährdete Kinder und Jugendliche" zielt darauf ab, auf eine schiefe schulische Bahn geratene Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre wieder in schulische Strukturen einzubinden, die Ursachen für ihre Probleme zu erfassen, und für jedes Kind und Jugendliche einen optimalen Weg zu finden, damit sie die schulische Laufbahn fortzusetzen können.
Unsere Zielgruppen sind:
- Schulabbrecher
- Unbegleitete minderjährige Flüchtlingsjugendliche
- Jugendliche und Kinder, die wegen nicht ausreichender Deutschkenntnisse die regulären schulischen Voraussetzungen nicht erfüllen können.
Sprach – und Integrationsförderung
Das "Komm"-Schulprojekt arbeitet mit 2 Klassen, in denen die Jugendlichen wieder eine feste Tagesstruktur täglich von 9 bis 12 Uhr finden. In einer freundlichen, menschlichen Atmosphäre wird versucht, die Jugendlichen in einen normalen Alltag einzubinden, ihre Stärken und Schwächen zu erfassen, sowohl ihre kognitiven Kompetenzen in Deutsch, Mathematik und deutscher Landeskunde, als auch ihre sozialen und emotionalen Kompetenzen zu stärken.
In der Zusammenarbeit mit den Betreuern, Eltern oder zuständigen Einrichtungen (wo die Jugendlichen teilweise leben) wird das schulische Weiterkommen der Jugendlichen in Abhängigkeit von ihren kognitiven, sozialen und emotionalen Kompetenzen in regelmäßigen Abständen besprochen, und es werden je nach Einzelfall Entscheidungen über das schulische Weiterkommen getroffen.
Neben der Sprach- und Integrationsförderung werden den Jugendlichen regelmäßig verschiedene Freizeitprogramme angeboten. Das Ziel der gemeinsamen Aktivitäten ist vielseitig: Durch gemeinsame Tätigkeiten und gemeinsame Erlebnisse erlernen die Jugendliche neue soziale Umgangsformen, die für sie teilweise unbekannt sind. Es wird auf die Entwicklung von guten Kommunikations- und Umgangsformen geachtet.
Durch die religiöse und ethnische Verschiedenheit unserer Schüler müssen unsere Telnehmer lernen, wie man Andersartigkeit toleriert und akzeptiert. Wir lernen nicht nur zusammen in der Klasse, sondern voneinander, von der Verschiedenheit des Anderen. Es wird auch gemeinsam reflektiert, wie bestimmte Veraltensweisen bzw. Denkweisen in der deutschen Kultur aufgenommen bzw. verstanden werden. Somit werden soziale, emotionale und interkulturelle Kompetenzen gestärkt.
Die Freizeitangebote stärken den Gemeinschaftssinn unter den Schülern, durch kulturelle Angebote wird ihr Horizont erweitert.
Die schulergänzende Ausbildung ist angeglichen an das Schuljahr in Bayern, wobei Anfang September die Erstellung der individuellen Förderpläne erfolgt. Die vierteljährlichen Module schließen ab mit einer Feststellung des Entwicklungsfortschrittes, die Überprüfung des Förderplanes und die eventuelle Weiterleitung des Jugendlichen in andere Einrichtungen wie Regelschule, Übergangsklassen, Berufsbildungsmaßnahmen usw.
- Das Projekt bietet eine formale Unterrichtung in einem eigenen Unterrichtsraum in der Hauptschule an der Ichostraße zum Erreichen der sprachlichen schulischen Voraussetzung für den Regelunterricht. Täglich finden 4 Unterrichtseinheiten von 9 - 12 Uhr in Deutsch als Zweit/Fremdsprache, in Mathematik und in deutscher Landeskunde statt.
- Es wird eine Sprachförderung mit Alphabetisierungsinhalten für Migranten und Flüchtlinge täglich von 9 - 12 Uhr angeboten.
- Unsere pädagogische Nachhilfe - und ein integriertes Freizeitprogramm in der Hochäckerstrasse bietet wöchentlich an 3 Nachmittagen von 14 bis 17 Uhr gezielte Freizeitaktivitäten, die für das Einüben der Schlüsselqualifikationen für die Schule und Beruf wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Gruppen - und Teamarbeit, Ausdauer usw. von besonderer Bedeutung ist.
Eine kulturelle Integration soll durch Besuch in öffentlichen Einrichtungen, Veranstaltungen Sehenswürdigkeiten, Museen, Ausstellungen etc. erreicht werden. Es wird die Möglichkeit gegeben, die eigene kulturelle Identität durch die Darstellung der Kultur der Herkunftsländer darzustellen. Es werden Programme angeboten, durch die die Jugendlichen die deutsche Kultur und Mentalität näher kennenlernen können.
Im Laufe der Zeit ist der Schwerpunkt Deutschunterricht (Deutsch als Fremdsprache) immer bedeutender geworden. Die Nachfrage ist in diesem Bereich am stärksten. Da die Sprachkenntnisse die entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration ist, haben wir unser Angebot diesen Bedürfnissen angepasst. Es handelt sich dabei nicht um eine wirkliche Veränderung, sondern um eine besondere Verstärkung eines Schwerpunkts des Projekts.
Ab Juni 2005 bis Januar 2006 wurden die folgende Förderangebote im Komm Projekt abgehalten:
Sprach – Integrationsförderung in der 2. Hälfte des Schuljahrs 2004/2005:
- Sprachförderung für Migranten und Flüchtlinge in der Hochäckerstrasse/Anfänger
10 - 12 Jugendliche (täglich 9 - 12 Uhr)
- Sprachförderung für Migranten und Flüchtlinge/Ichoschule/ für Fortgeschrittene
(täglich 9 - 12 Uhr) 10 - 12 Jugendliche - Sprachförderung in den Ferien mit Freizeitaktivitäten /Hochäckerstrasse:
(2 -3 Tage pro Woche 4 UE) 10 Jugendliche - Vorbereitung auf den qualifizierenden Hauptschulabschluss:
26 Jugendliche (Nachhilfe Hauptschule an der Implerstrasse, 3mal pro Woche)
Sprach – und Integrationsförderung Schuljahr 2005/2006
- Sprachförderung für Migranten und Flüchtlinge in der Schwanthalerstrasse/Anfänger mit Alphabetisierungsinhalten (täglich 9 - 12 Uhr) 10 - 12 Jugendliche
- Sprachförderung für Migranten und Flüchtlinge/ Ichoschule / für Fortgeschrittene
(täglich 9 - 12 Uhr) 10 - 12 Jugendliche - Alphabetisierungskurs Flüchtlingsheim Baierbrunnerstrasse
23 Jugendliche (1 mal wöchentlich 4 UE)
- Anfängerkurs Flüchtlingsheim Baierbrunnerstrasse
(1 mal wöchentlich 4 UE) 23 Jugendliche
Unsere Kurse werden von den Jugendlichen sehr positiv aufgenommen. Zunächst bieten wir unserer Jugendlichen feste Tagesstrukturen. In relativ klein gehaltenen Gruppen können sie ihre eigenen Fähigkeiten entfalten und nach ihrem eigenen Tempo lernen. Einige Jugendliche konnten in regulären Schulen übernommen werden. Ein großer Teil unserer Jugendlichen lernt in schulanalogen Projekten für Nachholen des Hauptschulabschlusses weiter. Wir haben für diese Schulen die sprachlichen Voraussetzungen mit den Jugendlichen erarbeitet.
Das Ziel der Alphabetisierungskurse ist es, ebenso die sprachlichen Voraussetzungen für schulanaloge Kurse zu schaffen.
Nicht zu vernachlässigen ist der positive Effekt unserer Kurse auf das soziale Verhalten der Jugendlichen. Wir haben in vielen Fällen mit Jugendlichen zu tun, die ohne feste Tagesstruktur schnell delinquent werden, sich in der Drogenszene bewegen und sozial vernachlässigt sind. Durch die Anbindung an einen schulischen Kreis bekommen unsere Schüler wieder eine Perspektive, fühlen sich wieder wertvoll und haben sinnvolle Aufgaben.
Kulturelle Programme:
- Besuch der bayerischen Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau
- Besuch des deutschen Museums
- Besuch des Schlosses Nymphenburg
- Besuch der bayerischen Staatsoper
- Besuch des Konzentrationslagers in Dachau
- Teilnahme am Tag der Kulturen – Veranstaltung eines Jugendverbandes
- Fest der Kulturen im Westpark/München
- Ausflug nach Waldkraiburg
- Ausstellungsbesuche
- Besuch des Angebots „Tollwood“ München
Sportliche Aktivitäten:
- Laufendes Fussballtraining,
- die KOMM Fußballmannschaft nimmt an einem städtischen Fußballwettbewerb im März 06 teil
Gemeinsame Feiern zu den einzelnen jahreszeitlichen Festen:
- Weihnachten
- Fasching
- Ostern
- Nikolaus
- Dazu: feierliche Zeugnisvergabe
Sonstiges:
- Mehrere Kinobesuche
- Musikprojekt mit den Jugendlichen
- Gemeinsames Kochen
Zusammenfassung:
Die von uns betreuten Kinder und Jugendlichen erfahren durch unser Projekt eine gute Integration in unsere Gesellschaft, so dass sie sowohl in der Regelschule als auch in Übergangsklassen und Berufsbildungsmaßnahmen gute Fortschritte erzielen. Bei den Kindern aus sozial schwierigen Verhältnissen hat unsere Betreuung auch einen positiven Effekt auf die Familiensituation und tragen dazu bei die Stigmatisierung aufzubrechen. Die Erfolge der Kinder wirken sich auch positiv auf das Familienklima aus. Das Projekt hat auch im dargestellten Zeitraum eine große Erfolgsrate erzielen können.
