Schulvorbereitende Maßnahmen in der Hauptschule an der Albert-Schweizer-Straße 59

 
Seit September 2010 nehmen 14 Schüler der Übergangsklassen 5 und 8 der Hauptschule an der Albert-Schweizer-Straße 59 an dem Alphabetisierungsprojekt für Kinder und Jugendliche teil.
Das Alter der Kinder liegt zwischen 11 und 16 Jahren, die Herkunftsländer sind Irak und Ägypten. 12 Schüler davon sind primäre Analphabeten, d. h. ohne muttersprachliche Kompetenz im Lesen und Schreiben. Zwei Mädchen beherrschen die Fähigkeit des Lesens und des Schreibens in ihrer Muttersprache (Arabisch) kaum. Zehn Schüler sind erst seit einigen Monaten in Deutschland und drei Mädchen aus der Klasse 8ü und ein Junge aus der Klasse 5ü sind bereits länger in Deutschland (1-2 Jahre) und besuchen, seitdem sie in Deutschland sind, die Übergangsklassen. Die Schwierigkeiten der letzten vier lagen aufgrund des ungesteuerten Spracherwerbs und des unsystematischen und unvollständigen Erlernens des lateinischen Alphabets in der Schrift-Laut-Zuordnung, Entsprechung zwischen Laut und Buchstabe, in Grunde genommen im kognitiven Bereich des Leseverstehens. Darüber hinaus konnten diese Schüler nicht in den normalen Schulunterricht mit einbezogen werden, eine speziell auf sie gerichtete Alphabetisierung gab es nicht, da dies ein komplexer und systematischer Prozess ist und schwierig „nebenbei“ zum normalen Schulunterricht durchgeführt werden kann.
Um den Unterricht interessant und abwechslungsreich zu gestalten, wurden unter anderem folgende Unterrichtsmaterialien benutzt: Lesen und Schreiben. Band 1 und 2. Hueber Verlag; Mosaik, Cornelsen Verlag; Tamtam: erster Kontakt Deutsch für Kinder – Arbeitsbuch, Hueber Verlag; Spielerisch Deutsch lernen: Deutsch als Zweitsprache. - Lernstufe 1. Wortschatz und Grammatik, Ravensburger Verlag; Spielerisch Deutsch lernen: Deutsch als Zweitsprache. - Lernstufe 3. Wortschatzvertiefung und Grammatik, Ravensburger Verlag. Nach drei Monaten konnten die Kinder selbständig lesen und schreiben, sie können korrekt die Buchstabenkombinationen, Wörter und Sätze verschriften, sind mit Groß- und Kleinschreibung vertraut, beherrschen die schwierigeren Buchstabenkombinationen (-sch-, -tsch-, -äu-, -eu-, -chs- usw.). Durch die Übungen mit Sätzen wurden die einfachen grammatischen Regeln direkt und indirekt vermittelt (Pluralformen, Präsens, Personalpronomen usw.).
Nach 2 Monaten parallel zum Ziel der Alphabetisierung und durch engeren Austausch mit den Klassenlehrerinnen wurden den Schülern erfolgreich die Grundbausteine der deutschen Grammatik beigebracht, die wichtigen Grundkenntnisse in Wortschatz und darüber hinaus die Sprachkompetenz gefördert. Unter anderem durch Dialoge, Musik (Texte, Kinderlieder usw.), Spiele, Arbeiten mit Bildkarten wurde die deutsche Sprache und das Alphabet vermittelt. Die Themen (Körper, Kleidung, Gesundheit, Farben usw.) wurden im Kurs parallel zu den Regelklassen gewählt, was später den Einstieg der Schüler in die normalen Übergangsklassen erleichtert. Es war sehr interessant die Entwicklung der Kinder zu beobachten. Am Anfang noch ängstlich (viele Kinder aus dem Irak haben körperliche Strafen erlebt) und misstrauisch, haben sich die Schüler geöffnet und stellen viele Fragen, versuchen miteinander Deutsch zu sprechen und korrigieren sich gegenseitig, sind viel selbstbewusster im Unterricht und haben eine enorme Motivation Deutsch zu lernen.
 
Regina Derksen, DAF Dozentin

 
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