Bericht zur Situation jugendlicher Flüchtlinge aus dem Irak
Sie besitzen weder die notwendigen Sprachkenntnisse, um hier erfolgreich Schulabschlüsse und eine Berufsausbildung zu erreichen. Die meisten Jugendlichen können die lateinische Schrift nicht und müssen erst einen Alphabetisierungskurs durchlaufen, um lesen und schreiben zu lernen. Sie haben, wenn überhaupt, oftmals nur Koranschulen oder vier Jahre Grundschule besucht.
Die Jugendlichen werden nach der ersten Zeit in der Aufnahmeeinrichtung in Wohngemeinschaften untergebracht, so lange sie noch durch die Jugendhilfe unterstützt werden können. In der Regel sind ihre Sprachkenntnisse zu schlecht oder ihr Alter ist schon zu weit fortgeschritten, dass sie eine Regelschule besuchen könnten. Es bleibt deshalb nur übrig, sie in schulanalogen Kursen mit der deutschen Sprache und dem Leben in Deutschland vertraut zu machen. Dabei ist es wichtig, dass die Jugendlichen gleich bei ihrer Ankunft in der Baierbrunnerstraße erfasst werden, um sie mit der Routine des Lernens und der Erfahrung geordneter Lebens verhältnisse in Deutschland vertraut zu machen. Dies ist auch die beste Prävention, um sie nicht in die Hände skrupelloser Landsleute fallen zu lassen und vor kleineren Delikten wie Schwarzfahren oder Ladendiebstahl zu bewahren.
Der Verein Hilfe von Mensch zu Mensch hat deswegen bereits für die Jugendlichen in der Baierbrunnerstraße Sprach- und Orientierungskurse eingeführt, die später durch schulanalogen Unterricht, differenziert nach dem jeweiligen Leistungsstand der Jugendlichen, weitergeführt werden. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Vereins sind erfahrene Dozenten für Deutsch als Zweitsprache oder Fachkräfte, die oftmals selbst Migranten sind und ein Flüchtlingsschicksal erlitten haben und dadurch mit den Sorgen und Nöten der Jugendlichen vertraut sind.
Kurz vor Ostern unternahmen zwei führende Mitarbeiter des Vereins eine zehntägige Informationsreise in den Nordirak, um sich vor Ort ein Bild über die Situation zu machen. Nach Gesprächen in Diyarbakir, dem wichtigen Zentrum im Osten der Türkei, gelang es mühelos in den Irak einzureisen. Es muss allerdings betont werden, dass es sich um die autonome Provinz Kurdistan handelt, die eine weit reichende Selbstständigkeit besitzt und deshalb auch von den politisch motivierten Unruhen in den anderen Teilen des Irak weitgehend verschont ist. Ziel der Reise war es auch, die Verantwortlichen in Kurdistan über die problematische Situation der aus Kurdistan stammenden unbegleiteten Jugendlichen in Deutschland zu informieren und sie zu bitten, durch Aufklärung der Bevölkerung und andere geeignete Maßnahmen darauf hinzuwirken, dass die schlimme Arbeit der Schlepper eingedämmt wird. Dabei beschränkte sich der Besuch auf die beiden Orte Zakho und Dohuk, wobei vor allem in Zakho intensive Gespräche mit Politikern und einheimischen Organisationen geführt werden konnten. Der Verein wird sich in Zusammenarbeit mit ihnen dafür einsetzen, dass vertiefte Kontakte nach Deutschland hergestellt werden und dass Projekte in Angriff genommen werden, durch die Situation der jungen Leute vor Ort verbessert werden kann und bei denen die jetzt in Deutschland befindlichen Jugendlichen eine wichtige Rolle spielen könnten.
München, den 25.03. 2007
Dr. Dieter Hüttner
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