Bosnien-Herzegowina – ein bevormundetes Land
Beitrag von Sadija Klepo bei der Tagung der Paneuropa-Union in Sarajewo 2008 als Vertreterin aus Deutschland
Wenn BiH ein Platz des Dialogs verschiedener Kulturen ist, sollte am Ende der Konferenz eine Initiative stehen, dass BiH als Welterbe eines multikulturellen Zusammenlebens anerkannt und für die Zukunft unterstützt und besonders gefördert wird.
Der Bevölkerung von BiH wurde von Seiten Europas, der Vereinten Nationen und der Weltgemeinschaft großes Unrecht getan.
BiH wurde als eigenständiger Staat anerkannt, aber sofort mit einem Embargo belegt, so dass die unschuldige Bevölkerung den Waffen der jugoslawischen Armee preisgegeben war, ohne sich wehren zu können.
Während des Krieges haben die UNO- Truppen die Sicherheit der Frauen, Kinder und alten Menschen nicht wirkungsvoll gewährleistet. Humanitäre Hilfe hat die Menschen nur tröpfchenweise erreicht, während umliegende Staaten sich auf Kosten der bosnisch-herzegowinischen Bevölkerung bereicherten.
Es wurde von der Staatengemeinschaft stillschweigend die ethnische Säuberung hingenommen und sogar vertraglich festgeschrieben. Das Unrecht der Schaffung von zwei auf ethnischer Säuberung basierender, künstlich geschaffener „Entities“ wird nicht in Frage gestellt und die Unfähigkeit der daraus resultierenden Staatsorganisation als gegeben akzeptiert.
Es wird zugesehen, wie die Ressourcen dieses Landes zerstört werden.
Es wurden und werden noch regelrechte Programme zur Auswanderung aller gut ausgebildeten und aus gemischten Familien stammenden Menschen aus BiH organisiert.
Das Land wurde und wird dadurch von den positiven Kräften „befreit“, die das Land als multiethnischen und funktionsfähigen Staat ausbauen könnten. Zurück bleiben teilweise ungebildete, oft einseitig informierte und indoktrinierte Menschen, die nicht selten das Sagen haben und alle Gutgläubigen und aufgeschlossenen Menschen unterdrücken.
Der Krieg in BiH und der Nachkriegskonflikt ist nicht der Konflikt zwischen Serben, Muslimen und Kroaten, sondern der Krieg krimineller Nationaloligarchien gegen die Zivilbevölkerung.
Es schwebt mir noch das Bild vor Augen am ersten Tagen des Krieges, als wir Mütter von Sarajevo mit unseren Kinder – Tausende von Menschen - durch die Straßen und vor das Parlamentgebäude zogen, um für eine friedliche Lösung des Konflikts zu demonstrieren, alle miteinander, während auf uns von allen Seiten (aus der Kaserne, vom Hotel Holiday Inn und von den Bergen) geschossen wurde.
Alle Nationalistenführer Karadzic, Izetbegovic, Boban haben Kriminelle aus der ganzen Welt, Verrückte aus den Irrenhäusern, Kriminelle aus den Gefängnissen geholt, um den Krieg für „ihre“ Nation zu gewinnen. In ihren Plänen gab es keinen Platz für die normalen Bürger.
Auch noch heute nicht, 13 Jahre nach dem Krieg.
Wer waren Susak, Panic, Secirbegovic, Arkan? Was wollten die Mudzahedine und die französischen, russischen und auch deutschen Milizionäre? Was hatten sie in BiH zu suchen?
Warum hat die Internationale Gemeinschaft mit Leuten wie Milosevic und Tudzman über das Schicksal eines anderen unabhängigen Landes verhandelt? Es wurde festgestellt, dass die Republika Srpska für den Genozid in Srebrenica verantwortlich ist. Und überall in der EU wird trotzdem mit ihrem Vertreter Milorad Dodik gesprochen. Nach dem II. Weltkrieg wurde
Deutschland in mehrere Zonen und dann auf 2 Länder mit verschiedenen Systemen aufgeteilt. Trotzdem wurden damals die Verbrecher, die unschuldige Menschen massenhaft getötet hatten, bestraft.
Heute erhalten sie von der Internationalen Gemeinschaft eine Republika Srpska als eine Entität geschenkt, die auch heute noch genau wie während des Krieges gegen alles, was multiethnisch und anders (sprich: nicht serbisch) ist, kämpft.
Wobei es Dodik und Silajdzic genau wie Karadzic, Milosevic und Izetbegovic nicht um ihre Nation geht, sondern um Macht und um Geld, genau so wie es Putin nicht um seine orthodoxen Brüder in Serbien geht, sondern um seine pragmatischen Interessen.
Schauen wir auf die aktuelle Situation im benachbarten Serbien: wie sich Milosevics Sozialisten über Nacht auf die Seite des Pro-Europäers Boris Tadic geschlagen haben, so sind plötzlich sind nun auch die Radikalen doch mit einem Stabilisierungspakt mit der EU einverstanden, nachdem sie gesehen haben, dass ihre Versuche die serbische Regierung auf den Weg nach Europa einzuschüchtern, nichts gebracht hat und „Mütterchen Russland“ nur seine eigenen pragmatischen Ziele verfolgt.
Was bedeutet dies alles für Bosnien?
Die EU soll endlich diejenigen Kräfte in BiH unterstützen, die in der Lage sind, das Land aus der Pattposition zu befreien und es in Richtung Europa zu bringen. Genauso wie Nikolic in Serbien auf den Boden der Realität umschwenkte, auch wenn er von Seselj zurückgepfiffen wurde, wird auch Dodik, der pragmatischste aller Führer, eines Tages erkennen müssen, dass seine Republika Srpska keine Chancen in der modernen Welt hat. Es kann sein, dass er noch ein paar europäische „Pragmatiker“ findet, die seine „wackelige Politik“ unterstützen, aber irgendwann muss man doch die zwei Landkarten anschauen und sehen, dass in der EU doppelte Moral herrscht: Man redet von einer integrierten multiethnischen Gesellschaft und lässt gleichzeitig zu, dass Machtpolitik und Unrecht ein kleines Land zerstören, das seit Jahrhunderten eben diese multiethnischen Grundsätze verwirklicht hatte.
Aus diesem Grunde darf Europa Bosnien und Herzegowina nicht seinem Schicksal überlassen. Sonst müssen sich die heutigen Verantwortlichen in den europäischen Staaten gefallen lassen, dass die Nachwelt sie für die Unterstützung des Genozids verurteilt, und zwar nicht nur an den Muslimen, sondern an allen normalen Menschen aus Bosnien - Herzegowina, die heute entweder in Bosnien oder auf allen Kontinenten der Erde unter dem Verlust ihrer Heimat leiden.
In der EU leben viele junge Bosnier, die anders denken und bereit sind, für ihr Land einzutreten. Und auch in BiH gibt es moderne und aufgeschlossene junge Kräfte, die man unterstützen muss, um das Bergab des Landes zu stoppen Bosnien-Herzegowina hat mittlerweile gut ausgebildete junge Leute überall in den EU Ländern. Sie müssen gefördert, zusammengeführt und für ihr Land eingesetzt werden, nicht fragwürdige „Demokratisierungsprogramme“ politischer Parteien und Stiftungen, die ihre Günstlinge in unser Land schicken.
Man muss aufhören, dass Fremde in Bosnien-Herzegowina das Sagen haben, die die Mentalität und die Gebräuche der Bevölkerungsgruppen nicht kennen, wo es doch genügend junge Menschen aus diesem Raum gibt, die bereit wären, für ihr Land und seine Zukunft im Rahmen eines multiethnischen, multikulturellen und multireligiösen Europas einzutreten, wenn sie soviel Unterstützung erhielten, dass ihnen ein Teil der täglichen Existenzsicherung abgenommen wäre.
Wie Rudolph Chimelli sagt: Klischees und Vorurteile brauchen weniger Platz, Zeit und Wissen.
