Zusammenfassung eines Interviews mit Ibran Mustafic Sendung vom 03.02.2009
Herr Ibran Mustafic ist eine sehr interessante Persönlichkeit in BiH. Bei den ersten demokratischen Wahlen 1990 in dem neuen Staat Bosnien-Herzegowina wurde der studierte Maschinenbau-Ingenieur als Mitglied der muslimischen Partei SDA als Vertreter von Srebrenica in das Parlament von Bosnien-Herzegowina gewählt. Vor und während des Krieges hatte er wichtige politische Funktionen in Srebrenica inne. Er ist Autor des Buches „Geplantes Chaos 1992 - 1996“, in dem er als Zeitzeuge die Ereignisse in und um Srebrenica, inklusive der Preisgrabe und Zerstörung der UNO- Enklave Srebrenica beschreibt.
Herr Mustafic besuchte München vergangene Woche, um sein Buch den Landsleuten hier vorzustellen. Frau Klepo führte ein Gespräch mit Herrn Mustafic auf Bosnisch.
Wir haben eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen von Ibran Mustafic für diese Sendung vorbereitet:
Auf die Frage, was für ihn die neueste Resolution des Europäischen Parlaments zu Srebrenica bedeute, meinte er, es sei nicht mehr als eine Erinnerungsinschrift auf einem Grabstein für Bosnien-Herzegowina. Dieses Land brauche in der heutigen Situation keine rechtlichen und politischen Resolutionen. Das Dayton-Abkommen sei die Todesfalle für den kleinen Staat im Herzen des Balkans. Denn Bosnien-Herzegowina brauche heute eine neue moderne Verfassung, um zu überleben. Keine Resolutionen können helfen, damit ein moderner lebensfähiger Staat entsteht. Er meint, dass die Welt Mitleid habe mit seinem geschundenen Heimatland, während dessen Politiker alles tun, damit es nicht funktionieren kann.
Der damalige Präsident Izetbegovic habe in Dayton die Kapitulation von Bosnien-Herzegowina unterschrieben. Heute mutet einem Bosnien-Herzegowina als eine Schöpfung Frankensteins an, in dem jeder nimmt, was er heraussaugen kann, und in dem jeder Patriot und jede Patriotin getötet, vertrieben oder einfach als Abfall entfernt werden soll.
Das Land funktioniert nicht als Staat. Es ist in eine Betäubung gefallen, wie wenn es wie im Märchen von einer bösen Fee in einen bösen Schlaf verzaubert wurde.
Ibran Mustafic beteuert, dass er lange genug in Bosnien-Herzegowina in der Politik aktiv tätig war, um vorhersagen zu können, dass dieses Land von der Weltkarte verschwinden wird, wenn sich die Welt nicht schnell einmischt und sich ihrer Verantwortung bewusst wird. Es muss eine Verfassungsänderung kommen, die einen einheitlichen Staat garantiert. Er befürchtet, dass die muslimische Bevölkerung sich bald in einem ähnlichen Freiluftgefängnis befinden werde wie die Palästinenser im Gazastreifen. Jede ethnische Aufteilung Bosnien-Herzegowinas wird in der Zukunft zu neuem Streit und neuen Kriegen führen. Er erwartet noch in diesem Jahr soziale Unruhen in seinem Land, weil die wirtschaftlichen Bedingungen ständig schlechter und die allgemeine Unzufriedenheit ständig größer werden.
Soweit ein Auszug aus den wichtigsten Aussagen von Ibran Mustafic.
