Assimilation statt Integration – warum das Integrationsgesetz ein Fehlschlag ist

07. November 2016

Assimilation statt Integration – warum das Integrationsgesetz ein Fehlschlag ist

Der Münchner Flüchtlings- und Migrantenverein Hilfe von Mensch zu Mensch e. V. kritisiert das Bayerische Integrationsgesetz (BayIntG).

Der Begriff der „Leitkultur“, der sich durch den kompletten Gesetzestext zieht, wird kein einziges Mal definiert bzw. genauer erläutert und lässt damit viel Raum für willkürliche Interpretationen. Statt „Leitkultur“ wäre es denkbar, die Werte und Regeln unserer demokratischen Gesellschaft, der Bayerischen Verfassung und des Grundgesetzes zum Leitbild zu machen.

Weiterhin wird der versprochene Grundsatz des „Fordern und Förderns“ nicht widergespiegelt, stattdessen werden detailliert Forderungen und Sanktionen gegenüber Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund formuliert. Darüber hinaus wird der Begriff Integration an sich nie definiert und ausdifferenziert – das Gesetz erweckt eher den Eindruck, als fordere man die komplette Assimilation von Flüchtlingen. Dies ist jedoch nicht akzeptabel und hat mit Integration sehr wenig zu tun.

Auch die Aussagen zur Bildung sind mehr als fragwürdig. Es sind keine Maßnahmen zur interkulturellen Öffnung von Schulen geplant, außerdem wird den Migranten und Flüchtlingen der Zugang zu Hochschulen – und damit der Zugang zu Bildung – verwehrt. Damit wird Integration unmöglich, denn Flüchtlinge werden so diskriminiert. Auch die Tatsache, dass laut des Integrationsgesetzes die frühkindliche Bildung an der „christlich-abendländischen Kultur“ ausgerichtet werden soll, ist eine Provokation für alle, die sich keiner oder einer anderen Religion zugehörig fühlen. Ein solcher Grundsatz ist weder mit der Religionsfreiheit, noch mit der Bestrebung, einen interreligiösen Dialog zu führen, vereinbar.

In dieser Form hat das Integrationsgesetz mit Integration leider nichts zu tun. Vielmehr erschwert es denjenigen die Arbeit, die sich wie Vereine und andere Initiativen für Integration auf zivilgesellschaftlicher Ebene einsetzen.

Über den Flüchtlings- und Migrantenverein Hilfe von Mensch zu Mensch: Seit 25 Jahren unterstützt Hilfe von Mensch zu Mensch Migranten und Flüchtlinge dabei, ihr Leben selbstbestimmt in die Hand zu nehmen. Die Hilfsorganisation mit Sitz in München widmet sich vor allem der Förderung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die durch Krieg und Verfolgung in soziale Notlagen geraten sind. 

Dabei lautet das Motto immer: Hilfe zur Selbsthilfe. Der Verein möchte keine Abhängigkeiten schaffen, sondern Flüchtlinge und Migranten in die Lage versetzen, ihre Zukunft aktiv zu gestalten. Sprachkurse, schulanaloge Bildungsmaßnahmen und die Förderung von Kleinkindern in Kinderkrippen zielen daher nicht nur darauf ab, die deutsche Sprache zu vermitteln, sondern den Menschen sozialen Halt und Orientierung zu geben.

Die Veröffentlichung des Textes ist honorarfrei bei Nennung von Hilfe von Mensch zu Mensch e.V.

Kontakt

Ariane Suckfüll
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hilfe von Mensch zu Mensch e.V.
Tel.: 089 1891798-54
ariane.suckfuell@hvmzm.de