Symposium für in der Flüchtlingshilfe Tätige

9. Mai 2017

Die Arbeit ist noch lange nicht getan

Symposium des Vereins Hilfe von Mensch zu Mensch für in der Flüchtlingshilfe Tätige

Einen informativen und lebendigen Austausch bot unser Symposium „Potential für sozialen Zusammenhalt in unseren Kommunen. Mehr denn je. Aber nicht allein.“ am 9. Mai. Über 100 Teilnehmer, Ehrenamtliche und hauptberuflich in der Flüchtlingshilfe Tätige, kamen nach Grünwald in den Bürgersaal, um sich über die Themen auszutauschen, die derzeit die Gemüter bewegen und die Flüchtlingshilfe beeinflussen.

„Ohne Ehrenamtliche geht es nicht in der Flüchtlingshilfe“, darin waren sich Jan Neusiedl, 1. Bürgermeister von Grünwald, und Leonhard Schmid, Leiter der Stabsstelle Asyl, Landratsamt München, einig. Beide lobten in ihren Grußworten die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer. Diese kommen derzeit an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Die anfängliche Euphorie ist Ernüchterung gewichen. Ein großes Problem ist die rigide Handhabung von Arbeitserlaubnissen bzw. des Arbeitsverbots für Flüchtlinge aus Ländern mit geringer Bleibeperspektive oder Flüchtlingen, die sich im Klageverfahren gegen einen negativen Asylbescheid befinden. Diese Verfahren dauern oft jahrelang. Die Helfer sind im Extremfall mit Geflüchteten konfrontiert, die  unter Depressionen leiden bis hin zu Selbstmordversuchen.

So verwundert es nicht, dass die derzeitigen „Arbeitsverbote“ neben der Abschiebepolitik in vermeintlich sichere Herkunftsländer das dominierende Thema in der anschließenden Podiumsdiskussion war, an der sich auch das Publikum rege beteiligte.

Ingrid Reinhardt, ehrenamtliche Koordinatorin des Helferkreises Grünwald, schilderte die derzeitige Situation der Helfer: „Wir nehmen die Probleme mittlerweile mit nach Hause. Wir kommen in Situationen, denen wir nicht gewachsen sind. An uns bleiben Aufgaben hängen, für die sich sonst niemand zuständig fühlt“. Susanne Hehnen, Leitung des Sachgebiets Kindertagesstätten und soziale Einrichtungen, Gemeinde Haar, brachte ihre persönliche Erfahrung auf den Punkt: „Diese jungen Männer könnten die Fachkräfte von morgen sein. Stattdessen hängt dieses Potenzial in den Unterkünften herum. Das macht mich traurig.“

Markus Blume, MdL, stellvertretender Generalsekretär der CSU, musste dazu Stellung nehmen. Er wies auf das rechtliche Spannungsfeld hin. „Es ist ein falsches Signal an die Herkunftsländer, wenn jeder, der es hierher schafft, die gleichen Rechte hat. Uns sind als Rechtstaat Grenzen gesetzt, an die wir uns länderübergreifend halten müssen.“ Sadija Klepo, Geschäftsführerin Hilfe von Mensch zu Mensch e.V. betonte, dass Gesetze gut und notwendig seien, den Durchführenden aber oft die nötige Empathie fehle, sie angemessen und klug anzuwenden.

Aus dem Publikum war Skepsis spürbar, ob „Arbeitsverbote“ tatsächlich ein wirksames Mittel seien, um Geflüchtete zur Rückkehr in ihre Heimatländer zu bewegen. Es wurde die Befürchtung geäußert, dass hier über die nächsten Jahre eine große Masse an Arbeitslosen produziert werde und damit zu Problemen vor Ort in den Gemeinden führen könnte. Nach der Podiumsdiskussion hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, an verschiedenen Thementischen ihr Wissen zu vertiefen. Es ging um Angebote für Flüchtlinge wie die Möglichkeit der Vermittlung von Flüchtlingen in Arbeit, spezielle Angebote für Frauen und Eltern ebenso wie um Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit und Einflussnahme von Gemeinden und Helferkreisen bis hin zum wichtigen Thema „Rückkehrprogramme“.

Im Anschluss an die Präsentation der Denkanstöße hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, mit der Integrationsbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, Kerstin Schreyer, zu diskutieren. Die Diskussionen waren insgesamt geprägt von einer fairen Auseinandersetzung, auch wenn Diskrepanzen zwischen Politikern und den in der Flüchtlingshilfe Tätigen unübersehbar waren. Sie betrafen vor allem das Arbeitsverbot, die Abschiebepolitik und den immer wieder bemühten Begriff der Leitkultur.

BU Bild Podiumsdiskussion: Susanne Weiß, Hilfe von Mensch zu Mensch moderierte die Podiumsdiskussion mit Susanne Hehnen, Gemeinde Haar, Ingrid Reinhardt, Helferkreis Grünwald, Sadija Klepp, HvMzM und Markus Blume, CSU

BU Bild Präsentation: Die Leiter der Thementische präsentierten ihrer Ergebnisse in Anwesenheit von Kerstin Schreyer, Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung

Über den Flüchtlings- und Migrantenverein Hilfe von Mensch zu Mensch

Seit 25 Jahren unterstützt Hilfe von Mensch zu Mensch Migranten und Flüchtlinge dabei, ihr Leben selbstbestimmt in die Hand zu nehmen. Die Hilfsorganisation mit Sitz in München widmet sich vor allem der Förderung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die durch Krieg und Verfolgung in soziale Notlagen geraten sind. 

Dabei lautet das Motto immer: Hilfe zur Selbsthilfe. Der Verein möchte keine Abhängigkeiten schaffen, sondern Flüchtlinge und Migranten in die Lage versetzen, ihre Zukunft aktiv zu gestalten. Sprachkurse, schulanaloge Bildungsmaßnahmen und die Förderung von Kleinkindern in Kinderkrippen zielen daher nicht nur darauf ab, die deutsche Sprache zu vermitteln, sondern den Menschen sozialen Halt und Orientierung zu geben.

Die Hilfsorganisation selbst ist das beste Beispiel dafür, dass Flüchtlinge einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Viele ehemalige Flüchtlinge sind mittlerweile im Verein tätig und sowohl Vertrauenspersonen als auch Vorbild für die Neuankömmlinge. Rund 300 Mitarbeiter aus vielen unterschiedlichen Nationen arbeiten zusammen und zeigen, wie gelebte Integration aussehen kann.

Die Veröffentlichung des Textes und der Fotos  ist honorarfrei bei Nennung von Hilfe von Mensch zu Mensch e.V. und des Fotografen Waheed Yarzada

Kontakt

Ariane Suckfüll
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hilfe von Mensch zu Mensch e.V.
Tel.: 089 1891798-54
ariane.suckfuell@hvmzm.de